
Die Transformation des Energiesektors hat eine kritische Phase erreicht. Wind und Sonne liefern immer mehr Strom, aber nicht immer dann, wenn sie gebraucht wird. Genau hier kommen große Batteriespeicher ins Spiel. Aber oft haben Netzbetreiber noch Bedenken gegen ihren Einsatz . Auch die Politik muss erst noch die Vorteile verstehen. Sie müssten eigentlich nur nach Bollingstedt schauen. Dort zeigt der von ECO STOR entwickelte und errichtete Speicher seit seinem Start im April 2025, was innovative Speichertechnologie zusammen mit intelligenter Betriebsweise für das Netz, für den Strommarkt und für die Akzeptanz vor Ort leisten können.

Als der Batteriespeicher in Bollingstedt in Schleswig-Holstein im Frühsommer 2025 ans Netz geht, ist er ein Pionier. Mit 103,5 Megawatt Leistung und 238 Megawattstunden Kapazität ist er selbst heute – ein Jahr später - der mit Abstand größte arbeitende Batteriespeicher in Deutschland. Komplett ohne Fördergelder, rein marktwirtschaftlich finanziert ist er Wagnis und Meilenstein zugleich.
Heute lässt sich sagen: Bollingstedt ist nicht nur ein technischer Machbarkeitsbeleg. Die Anlage ist auch ein Praxistest für die Speicherwende und damit für die gesamte derzeitige Transformation des deutschen Energiesektors. Mit einem Jahr Erfahrung kann man zudem sagen, dass diese Speicherwende durchaus ein filigraner Balanceakt ist: Batteriespeicher sollen Netzkosten senken, künftigen Netzausbau vermeiden und zugleich Marktnutzen schaffen. Ganz schön viel Erwartungen auf einmal. Aber in Bollingstedt zeigt sich, wie – und dass – sich dieses Spannungsfeld lösen lässt.
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Ein Batteriegroßspeicher funktioniert wie ein Zwischenspeicher für Strom: Er nimmt Energie auf, wenn viel Strom verfügbar oder günstig ist, und gibt sie wieder ab, wenn sie gebraucht wird oder die Preise steigen. Dadurch hilft er, Angebot und Nachfrage im Stromsystem auszugleichen und erneuerbare Energien wie Wind- und Solarstrom besser nutzbar zu machen.
Die Betriebsdaten des Speichers in Bollingstedt verdeutlichen die substanziellen Energiemengen. Im ersten Jahr konnte der Speicher 121.165 Megawattstunden Strom laden und 107.806 Megawattstunden wieder entladen. Das entspricht dem Jahresstromverbrauch von über 30.000 Haushalten. Die AC-Effizienz, also die Effizienz bei der Umwandlung und Einspeicherung, betrug rund 89 Prozent. Die Gesamtverfügbarkeit lag 2025 bei 95,74 Prozent, was für ein Inbetriebnahmejahr ein solider Wert ist. Für 2026 erwartet Dr. Stefan Englberger, Head of Commercial & Investment Analysis, eine Verfügbarkeit zwischen 97 und 98 Prozent.
Diese Zahlen belegen, wie Batteriespeicher als belastbare Infrastruktur im täglichen Einsatz einen festen Platz im Stromsystem einnehmen. Gerade in einem Energiesystem mit stark schwankender Einspeisung wird diese Rolle immer wichtiger. „Wenn mittags viel Solarstrom ins Netz drängt und in den Abendstunden die Nachfrage steigt, braucht es Anlagen, die schnell reagieren, Strom aufnehmen oder wieder einspeisen können“, erklärt Englberger. „Der Speicher Bollingstedt erfüllt genau diese Funktion – verlässlich und tragfähig, Tag für Tag.“
Der Speicher bedient dabei wesentliche Marktsegmente des deutschen Stromsystems. Dazu zählen der Day-Ahead-Markt, Intraday-Auktionen und der kontinuierliche Intraday-Handel. Hinzu kommen Primärregelleistung sowie Sekundärregelreserve-Kapazität und -Energie. Das zeigt, wie vielseitig große Batteriespeicher inzwischen eingesetzt werden können. Sie stabilisieren das Netz, reagieren auf Preissignale und verschieben Energie in die Stunden, in denen sie systemisch und wirtschaftlich besonders wertvoll ist.
Ganz reibungslos war der Weg dorthin nicht. Selbst nach Betriebsstart musste das Projektteam lernen, mit neuen Netzrestriktionen durch den Netzbetreiber umzugehen und den Betrieb über Wochen nachschärfen. Dazu kamen technische Einschränkungen und neue Rampenvorgaben. „Die hohe Reaktionsgeschwindigkeit des Speichers stellte zunächst eine Herausforderung für das Netz dar, da sie nicht mit der vergleichsweise trägen Dynamik von Erneuerbaren-Einspeisung und Last korrespondierte“, erklärt Malte Lutzenberger vom Verteilnetzbetreiber SH-Netz, an das der Speicher angeschlossen ist. „Insbesondere die schnellen Leistungssprünge beispielsweise von -100 auf +100 MW entsprechen keinem typischen Verhalten im Netzbetrieb und mussten entsprechend berücksichtigt und angepasst werden.“

Das Team schärfte nach. „Statt der üblichen 2,5-Minuten-Rampen gelten für die Wholesale-Bewirtschaftung in Bollingstedt 15-Minuten-Rampen. Das erhöht die operative Komplexität deutlich“, so Englberger. Denn jede Fahrweise beeinflusst unmittelbar auch die folgenden Viertelstunden.
Die Fahrweise unter solchen Rampenvorgaben ist mathematisch und operativ hochkomplex, vergleichbar mit einem Schachspiel über mehrere Züge: Jede Entscheidung schafft Optionen, begrenzt aber zugleich den Handlungsspielraum der nächsten Viertelstunden. Deshalb hat das Team von ECO STOR eine eigene Algorithmik entwickelt. Sie berücksichtigt die längeren Rampenzeiten des Netzbetreibers und hält gleichzeitig ausreichend Flexibilität für die folgenden Viertelstunden frei.
„Ziel ist immer der bestmögliche wirtschaftliche Output, ohne die Restriktionen des Netzbetreibers zu verletzen.“ Wer tiefer in die Daten des Speichers einsteigt, kann nachvollziehen, wie sich die Betriebsparameter ab Ende Juni 2025 verändern. Möglich ist dies dank des neuen Speicherbetriebs-Dashboard: ein öffentlich zugängliches Tool mit den wichtigsten Kennzahlen und Betriebsdaten des Batteriespeichers Bollingstedt. Das Dashboard macht die Anlage in Bollingstedt somit zum „gläsernen Speicher“ und umfasst nicht nur die Daten des letzten Tages, sondern auch des gesamten letzten Jahres.
„Inzwischen zeigt sich ein Betriebsverhalten, das das Netz nicht zusätzlich belastet und in bestimmten Situationen sogar zur Entlastung beiträgt. Somit konnte insgesamt eine tragfähige Balance zwischen dem Nutzen für die regionale Netzsituation und dem überregionalen volkswirtschaftlichen Mehrwert erreicht werden.“
erläutert Malte Lutzenberger von SH-Netz
Gerade diese Lernkurve und Transparenz macht Bollingstedt so wertvoll. Denn der Speicher wird nicht unter Laborbedingungen betrieben, sondern musste sich seit seinem Start unmittelbar unter Realbedingungen beweisen. Gemeinsam mit den Vermarktungspartnern Entelios und Enspired wurden Lösungen entwickelt, angepasst und im laufenden Betrieb verbessert. Entelios verantwortet dabei den Marktzugang für Primärregelleistung und Sekundärregelreserve; Enspired ergänzt dies mit algorithmusgestützter Vermarktung auf den kurzfristigen Strommärkten.
Die Zusammenarbeit ist partnerschaftlich, pragmatisch und auf Umsetzungsgeschwindigkeit ausgelegt. „Mit Bollingstedt hat ECO STOR echte Pionierarbeit geleistet“, sagt Fabian Becker, CEO der Entelios AG. „Entscheidend für den Erfolg war die enge, lösungsorientierte Zusammenarbeit auf Augenhöhe – gerade in einem dynamischen Umfeld, das regulatorisch und marktseitig hohe Anforderungen stellt.“ Jürgen Mayerhofer von enspired ergänzt: „Die enge, vertrauensvolle und konsequent lösungsorientierte Zusammenarbeit aller Beteiligten war ein wesentlicher Erfolgsfaktor dieses Pionierprojekts. Insbesondere im Umgang mit neuen Anforderungen – wie der Umsetzung von Flexible Connection Agreements (FCAs) – setzte das Team mit seiner Innovationskraft und einem starken gemeinsamen Zielverständnis neue Maßstäbe. Wir sind stolz darauf, mit diesem Leuchtturmprojekt einen nachhaltigen Beitrag zur Energiewende zu leisten.“
Und auch Malte Lutzenbeger von SH-Netz lobt: „Die Zusammenarbeit war durchgehend konstruktiv und von einem Austausch auf Augenhöhe geprägt. Beide Seiten zeichneten sich durch eine hohe Transparenz, insbesondere im Umgang mit relevanten Zahlen und Daten, aus. Darüber hinaus konnte ein gemeinsames Verständnis für die unterschiedlichen Interessenlagen entwickelt werden.“
Dass diese Struktur funktioniert, zeigt auch der Blick nach vorn. „Der neue Speicher im benachbarten Schuby, der noch 2026 ans Netz geht, wird in der Bewirtschaftungslogik an zentrale Learnings aus Bollingstedt anknüpfen. Allein das ist bereits ein starkes Signal“, sagt Englberger. Was in Bollingstedt gelernt wurde, fließt damit direkt in das nächste Projekt ein. Und es geht sogar noch weiter: Wegen der so positiven Erfahrung mit dem Speicherbetrieb im Netzgebiet der e.on-Tochter SH-Netz wird der Großkonzern aus Essen das Betriebskonzept von Bollingstedt als Blaupause für alle weiteren Anlagen in seinen Netzgebieten verwenden.

Auch wirtschaftlich fällt das Fazit positiv aus. Auf die Frage, ob sich der großskalige Speicher wirtschaftlich bewährt hat, antwortet Stefan Englberger mit einem klaren „ja“. Das Team sei stolz auf die Flexibilität und den Mehrwert der Anlage im Markt. Zwar gab es auch schwächere Phasen. Vor allem Juli und August 2025 waren marktseitig anspruchsvoll, weil die Volatilität geringer als erwartet ausfiel. Doch gerade in einem Umfeld mit niedrigen Conversion Rates und häufigen negativen Preisen zeigt sich die Stärke des Speichers. Er kann Preisschwankungen aufnehmen und diese Flexibilität in wirtschaftlich sinnvolle Erlöse übersetzen. Hinzu kommt ein weiteres starkes Signal: Die Präqualifizierung für Primär- und Sekundärregelleistung gelang in sechs Wochen statt in mehreren Monaten. Auch damit hat der Speicher in Bollingstedt gezeigt, dass hohe Umsetzungsgeschwindigkeit möglich ist.
Praxis-Einblick: Wie der Speicher Preisspitzen abfedert
Wie stark der Markt Flexibilität benötigt und welchen Beitrag ein Batteriespeicher dabei leisten kann, verdeutlicht die extreme Situation am Wochenende des 25. und 26. April 2026,. Von Montag bis Freitag lagen die Day-Ahead-Preise weitgehend in einer für eine Aprilwoche nicht untypischen Bandbreite von ca. 0 bis rund 200 EUR/MWh. Am Wochenende kam dann ein klassisches Muster hinzu: geringere Last, gleichzeitig hohe Einspeisung aus Solar bei sehr niedrigen Grenzkosten. Dadurch wurde der Preis streckenweise deutlich nach unten gedrückt, am Samstag bis auf etwa -200 EUR/MWh und am Sonntag zeitweise nahezu bis -500 EUR/MWh.
Genau diese Volatilität ist der relevante Werttreiber für den Speicher. Er stellt in solchen Situationen Flexibilität bereit, nimmt Strom in Niedrig- und Negativpreisstunden auf und kann ihn in späteren Hochpreisstunden wieder vermarkten. Damit nutzt der Speicher nicht nur die Preisspreads wirtschaftlich, sondern wirkt zugleich systemdienlich, weil er Preisspitzen und extreme Volatilität im Markt abfedert.
Der Speicher musste dabei keinesfalls stark zyklisieren, um in dieser Situation einen hohen Wertbeitrag zu erzielen. Entscheidend war vielmehr die gezielte Nutzung der sehr ausgeprägten Preissprünge zwischen den Negativpreisstunden und den anschließenden Erholungs- bzw. Hochpreisphasen.
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Mindestens ebenso wichtig wie das Funktionieren der Technik ist aber die Akzeptanz vor Ort. Und auch hier liefert Bollingstedt ein bemerkenswertes Bild. Bürgermeister Marc Prätorius berichtet von einer hohen Zustimmung in der Gemeinde. Beschwerden wegen Lärm oder Umweltbelastung habe es bislang nicht gegeben. Entscheidend dafür seien Vertrauen, Transparenz, Verlässlichkeit und der Umgang auf Augenhöhe gewesen.
Der erste Kontakt entstand über die Wirtschaftsförderung und den lokalen Partner EPW, mit dem ECO STOR eng kooperiert. Die Fläche war bereits als Gewerbegebiet im Flächennutzungsplan und B-Plan ausgewiesen. Prätorius ging mit dem Thema offen in die Gemeindevertretung. Die Grundhaltung war von Anfang an klar: gemeinsam, nicht gegeneinander. Alle Schritte wurden öffentlich beraten. „Es wurde nie hinter verschlossenen Türen gearbeitet“, sagt er. Genau das sei wichtig gewesen.

Am Anfang gab es natürlich Fragen der Menschen vor Ort. Was macht die Anlage eigentlich? Wem gehört der Strom? Wo fließt er hin? Später kamen Sorgen für möglichen Risiken hinzu, etwa zu Elektrosmog, Lärm oder Brandschutz. Die Gemeinde griff diese Punkte öffentlich auf und beantwortete sie aktiv Schritt für Schritt, teils auch in Einzelgesprächen.
Besonders beim Lärm half ein Realitätscheck. Zwischen Speicher und Wohnsiedlungen liegen eine große Spedition und die Autobahn. Zudem ist die Anlage mit einer Lärmschutzwand eingehaust. Am offenen Tor höre man zwar „auch mal ein Brummen, Summen und Piepen“, sagt Prätorius. Doch unterm Strich sei der Speicher so leise „wie ein Kühlschrank, wenn alles andere nicht da wäre“. Das Fazit für die Bürgerinnen und Bürger lautete deshalb: „Ihr werdet den Speicher nicht hören!“
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Auch beim Brandschutz konnten Bedenken ausgeräumt werden. Eine frühe Frage des Bürgermeisters lautete: Braucht die Gemeinde für die Feuerwehr ein neues Fahrzeug oder spezielles Equipment? Die klare Antwort: nein. Darüber hinaus wurden Einweisungen für die Feuerwehr vorgenommen und Führungen und Besichtigungen für die Einwohner angeboten, Fragen beantwortet und vor allem: Zusagen eingehalten. Genau das scheint den Unterschied gemacht zu haben. „Man kann sich verlassen. Und man fühlt sich nicht verlassen“, sagt Prätorius. Diese Verbindlichkeit habe bis heute getragen. Das Gelände werde gepflegt. Ansprechpartner seien erreichbar. Es heiße nie: „nicht unsere Baustelle.“
Dazu kommt ein weiterer Punkt, der für viele Kommunen entscheidend ist: Ein Teil der Wertschöpfung bleibt in Form der Gewerbesteuer vor Ort.
Und das war anfangs nicht selbstverständlich, denn es bedurfte einer Gesetzesänderung auf Bundesebene. Während des Baus setzten sich ausnahmslos alle Akteure inklusive der Gemeindevertreter dafür ein, dass die Gewerbesteuer in den Kommunen der Batteriespeicher verbleibt und nicht zum Sitz des Betreibers abfließt. „Wir wollen die Gewerbesteuer haben“, stellt Prätorius klar. Also nahm er gemeinsam mit EPW und Experten von ECO STOR mit den relevanten Bundestags-Abgeordneten Kontakt auf. „Ich habe gesagt: Ihr müsst der Gesetzesänderung zustimmen, sonst kriegt ihr keine Zustimmung für solche Projekte in den Gemeinden vor Ort mehr, nirgends. Dank intensiver Arbeit aller ist das gelungen und ein weiterer Beleg vertrauensvoller Zusammenarbeit.“
Für Prätorius ist die Diskussion um die Gewerbesteuer Teil einer gesamtpolitischen Frage: „Mein zentraler Wunsch an die Landespolitik lautet: Die Wertschöpfung der Energiewende muss vor Ort bleiben. Hier ist noch mehr Platz für innovative Projekte. Wir müssen uns nur trauen.“
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Die Wirkung des Projekts reicht längst über Bollingstedt hinaus. Der Speicher dient inzwischen oft als Benchmark und zeigt sehr konkret, wie die nächste Phase der Energiewende aussehen kann.
Noch aber gilt es, einige Anpassungs-Schwierigkeitenauszuräumen. Denn: Batteriespeicher stellen die bisher üblichen Prozesse der Energiewirtschaft streckenweise auf den Kopf. Sie treffen auf ein System, das nicht auf sie vorbereitet ist. „Anders gesagt: Sie stehen plötzlich am Buffet, obwohl sie niemand eingeladen hat“, erklärt Georg Gallmetzer, Geschäftsführer von ECO STOR. Das führe jetzt zu Konflikten und zeigt sich derzeit insbesondere bei den Netzanschlüssen.
Oder bei den Netzentgelten.
Das Zieldreieck der Speicherbranche gleicht einem Balanceakt: Batteriespeicher sollen Netzkosten senken, künftigen Netzausbau vermeiden und zugleich Marktnutzen schaffen, ganz ähnlich zum energiewirtschaftlichen Dreieck. Doch diese Balance hält nur, solange die Bundesnetzagentur keine vollen Netzentgelte verlangt. Das sind Gebühren für die Nutzung der Stromnetze, von denen Speicherbetreiber bis 2029 eigentlich befreit waren. Wird diese Befreiung vorzeitig aufgehoben oder mit höheren Gebühren verlängert, gerät das Modell aus den Fugen.
Denn volle Netzentgelte für Speicher würden die Margen auffressen und damit jeglichen Anreiz in privaten Investitionen in die Speicherwende zunichtemachen. Diese Margen sind ein zentraler Hebel für die Speicherwende, denn sie entsteht komplett ohne staatliche Subventionen. „Schon die 53 Euro je kWh, die die Übertragungsnetzbetreiber bei der anstehenden Neuordnung ins Spiel gebracht haben, zerstört die Bruttomarge aktueller Batteriespeicher vollständig“, ordnet Georg Gallmetzer ein und bringt es auf den Punkt: „Wer einen Jahresleistungspreis in Höhe der Bruttoumsätze verlangt, kann nicht rechnen.“ Schlimmer noch: Ohne die aktuellen Subventionen des Bundes würden Netzentgelte sogar auf mehr als 100 Euro schnellen. „Eine mögliche Lösung sind dynamische Netzentgelte, eventuell ergänzt um ein freiwilliges rückwirkendes Opt-in“, erklärt Gallmetzer. Doch beides ist derzeit noch Zukunftsmusik und steckt in regulatorischen Verhandlungen.
Derweil wären Speicher eine wertvolle Zutat bei der Transformation des heutigen Energiesystems. Sie können etwa Probleme in Netzengpassgebieten lösen, einem der aktuellen Konflikte beim Ausbau der Erneuerbaren. „Und zwar ohne zusätzliche Kosten“, sagt Gallmetzer. „Dafür braucht es lediglich eine Lade- und Einspeisepflicht in Engpass-Situationen.“ Das Beispiel Bollingstedt zeigt bereits, was möglich ist. Der Speicher wurde vom vermeintlichen Problemfall zum Vorbild: „Er hält die Autobahn des Stromsystems frei und nimmt in kritischen Situationen sogar Sonnenstrom aus dem Netz. Das ist klar netzdienlich und zum Vorteil aller.“

Die wichtigsten technischen und betrieblichen Kennzahlen des ersten Jahres im Überblick.
Die Fahrweise des Speichers in Bollingstedt wird zur Blaupause für nahezu alle weiteren Batteriegroßspeicher in Deutschland. Er respektiert die klaren Grenzen des Netzes und gleicht simultan wirtschaftliche Nachteile aus. Im Speicherbetriebs-Dashboard wird diese Netzdienlichkeit deutlich sichtbar: Die Leitplanken werden nie gerissen. Wenn alle Speicher so fahren würden, hätten wir im deutschen Stromnetz keine Probleme mit ihnen.
Die Stromversorgung der Zukunft wird beweglicher sein als die alte. Sie wird auf Schwankungen reagieren müssen. Bollingstedt steht damit für mehr als einen einzelnen Batteriespeicher. Er steht für den technischen, marktwirtschaftlichen und politisch-regulatorischen Balanceakt der Speicherwende. Bollingstedt beweist, dass große Batteriespeicherprojekte jenseits der 100 MW Leistung machbar, sinnvoll und vermittelbar sind.
Die Bedeutung des Batteriespeichers Bollingstedt reicht heute bereits weit über den eigentlichen Anlagenbetrieb hinaus. So wurden im Juni 2026 mit HanseWerk und Schleswig-Holstein Netz gemeinsam entwickelte, innovative Konzepte vorgestellt, die eine effizientere Nutzung bestehender Netzkapazitäten ermöglichen. Mit Auslastungsmonitoring (ALM) lässt sich Transparenz über die tatsächliche Netzauslastung schaffen und neue Möglichkeiten für die Integration von Großspeichern ermöglichen.
Gleichzeitig dient Bollingstedt als Referenzprojekt für flexible Netzanschlussverträge, deren Weiterentwicklung inzwischen auch konzernweit innerhalb von E.ON vorangetrieben wird. Mit dem ebenfalls im Juni 2026 vorgestellten Speicherbetriebs-Dashboard macht ECO STOR zudem erstmals reale Betriebsdaten eines Großspeichers sichtbar. Das branchenweit einzigartige Konzept des „gläsernen Speichers“ zeigt transparent, wie Batteriespeicher auf Netz- und Marktsignale reagieren, und belegt ihre netzdienliche Fahrweise im laufenden Betrieb.
Damit entwickelt sich Bollingstedt zunehmend zu einem Leuchtturmprojekt und Benchmark für die nächste Generation von Batteriespeichern. Nicht nur durch seine Größe, sondern auch durch die Innovationen, die von hier aus neue Maßstäbe für die gesamte Branche setzen.
Weitere Informationen zum Speicherbetriebs-Dashboard
Weitere Informationen zum Auslastungsmonitoring-Konzept mit Hansewerk
Weitere Informationen zum Konzept der flexiblen Anschlussverträge mit E.ON